Beim Verlassen von Galapagos nahmen wir Kurs Richtung Osterinsel. So spät in der Saison war es fraglich, ob uns nicht schon die ersten herbstlichen Schlechtwetterfronten einen Strich durch die Rechnung machen würden. Wir nahmen uns vor, für den Fall einfach gleich nach Westen richtung Französisch Polynesien abzubiegen. Wind und Wetter spielten aber wunderbar mit und wir erreichten bereits nach 7 Tagen auf See unser angestrebtes Ziel. Die Osterinsel (Isla de Pascua oder Rapa Nui) liegt isoliert im Südostpazifik und gehört zu Chile. Die nächstgelegene bewohnte Insel ist das 2.086 km entfernte Pitcairn. Somit ist sie nach Tristan di Cunha die abgelegendste Insel der Welt. Für die polynesischen Erstbesiedler mit ihrer faszinierenden Geschichte ist sie der „Nabel der Welt“.

Bekannt ist sie vor allem durch die hunderten großen Steinstatuen oder Moai, die über die Insel verstreut sind. Seit dem Kinofilm „Rapa Nui“ aus dem Jahre 1994 ist die Insel vielen Menschen weltweit ein Begriff. Der Film selber war kein Erfolg, aber für die Menschen auf Rapa Nui bedeutete er die größte Veränderung seit über 50 Jahren. Vor allem das durch den Film eingenommene Geld half den Menschen Autos und elektronische Geräte zu kaufen und verbesserte ihre Lebenssituation dramatisch. Seit dem kommen auch immer mehr Touristen, um sich die Statuen in diesem Open Air Museum anzusehen.

Wir ankern direkt vor dem einzigen Ort der Insel - Hanga Roa. Es gibt zwei kleine Häfen, in denen hauptsächlich kleine Fischerboote vertäut sind. Anlanden ist nur mit kleinen Booten möglich und aufgrund des ständigen Schwells mit etwas Nervenkitzel verbunden. Für uns sind die Landgänge immer ein kleines Abenteuer. Man muss nämlich mit dem Dinghy zwischen den Wellen in den kleinen Hafen surfen. Einmal waren die Wellen zu hoch und der Hafen vom Hafenkapitän gesperrt, so durfte niemand mehr heraus oder herein. Viele Segler kentern mit ihrem Dinghy oder werden von hohen Wellen bei der Einfahrt überrollt. Uns ist das zum Glück nicht passiert, unser starker Motor ist hier definitiv ein Vorteil.

Eigentlich würden wir gerne länger bleiben, aber da wir von der Saison her schon sehr spät dran sind und die nächste Schlechtwetterfront im anrollen ist, haben wir nur einige Tage Zeit uns auf der Insel umzusehen. Das beste um die Insel zu erkunden ist, sich ein Auto auszuborgen. Mittlerweile gibt es einige Autovermietungen und man kann sogar Mofas ausleihen. Wir lernen einen sehr netten Angestellten einer Autovermietung kennen, der uns gleich ein wenig über die Insel erzählt und uns Tipps gibt. Als Nationalparkgebühr wird mittlerweile US$ 60.- pro Person verlangt. Allerdings nur einmalig für den ganzen Aufenthalt.

Sehr spektakulär ist der größte Krater der Insel Rano Kau, den wir uns als erstes ansehen. Der Durchmesser des Kratersees ist 1 km, wobei auf der dem Meer zugewandten Seite ein Teil des Randes zu fehlen scheint - der Biss oder Kari Kari. Auf dem See wächst das Totora-Schilf (Scirpus californicus), ein Rest der ursprünglichen Vegetation. Totora-Schilf wurde von den Ureinwohnern vielfältig genutzt, zum Beispiel zum Bau der charakteristischen bootsförmigen Häuser (Paenga-Haus) und kommt auch am Festland wie dem Titicaca See in Peru vor. Früher war der See außerdem wichtig als Süßwasserreservoir der Insel. In Sedimentproben wurden im Jahre 1965 Bakterien gefunden, die eine Substanz erzeugten die heute als Rapamycin bekannt ist. Sie wird mittlerweile synthethisch erzeugt und findet Verwendung als Immunosuppressor vor allem bei Organtransplantationen, um das Abstoßen des transplantierten Organs vom Körper zu verhindern. Angeblich verlangsamt es auch den Alterungsprozess von Zellen - eine Schlüssel zur ewigen Jugend? Vielleicht wird man in der Zukunft noch einiges von dieser Medizin hören. Auf Rano Kau findet man auch Orongo, die alte Zeremonienstadt während des Vogelmannwettbewerbes. Faszinierend ist die Steilküste, die die Teilnehmer mit ihren Flössen und Lebensmitteln hinab steigen mussten, um über das Meer nach Motu Nui zu paddeln und auf das erste Ei der Seeschwalben zu warten. Ein spektakulärer Wettbewerb, der fast aus der Erinnerung der Menschen verschwunden wäre. Bei unsere Umsegelung der Osterinsel konnten wir die steilen Hänge sehen und uns wundern, wie man diese steile Küste unbeschadet hinab und wieder hinauf steigen kann.

Weitere Stopps führen uns entlang der Südküste vorbei an umgestoßenen Moai und deren Haarknoten zum berühmten Steinbruch von Rano Raraku, wo alle Moai gemeißelt wurden. Nur hier gab es geeignetes Gestein und somit wurden alle Moai von hier an alle Ecken und Enden der Insel transportiert. Allerdings ist bis heute umstritten, wie genau der Transport funktioniert hat. Hier kann man 397 Moai in verschiedene Entstehungsstadien sehen. Auch den größten Moai der Insel, der mit 21 m Länge allerdings niemals fertig gestellt wurde.

Am beeindruckendsten ist wohl die größte und restaurierte Plattform in Ahu Tongariki. Dort stehen 15 Moai direkt auf der Plattform vor einer Bucht. Die Sonnenaufgänge hier sind angeblich unbeschreiblich. Aufgrund der unsicheren Wetterlage konnten wir keinen Sonnenaufgang genießen, sondern mussten uns mit einem Besuch tagsüber begnügen. Nichts desto trotz ist es ein magischer Platz. Nebenan steht der „wandernde Moai“ - the travelling Moai. Er wurde einmal nach Japan verschifft und ist nun wieder auf der Osterinsel. Die Japanische Regierung hat über 2 Millionen Dollar gespendet und gemeinsam mit einer privaten Baufirma, die einen Kran zum Aufstellen der Moai gesponsert haben, konnte Ahu Tongariki restauriert werden. Auf jeden Fall ein Platz um zu verweilen und Geschichte zu fühlen.

Auf der Nordseite der Insel gibt es viele der sogenannten Petroglyphen zu bewundern, dass sind Zeichnungen auf Gestein. Besonders ist Papa Vaka, wo es die größte Petroglyphe in Form eines 12 m langem Kanus zu bewundern gibt. Interessant war auch noch Anakena, der größte Sandstrand an dem die ersten Polynesier angelandet sind. Als wir dort vorbei kommen, ist der Platz unter den Palmen voll mit Einheimischen, die hier gemütlich ein Picknick machen. Auf der Ostseite des Strandes sind auch einige restaurierte Moai zu bewundern.

Sehr imposant sind auch die 7 Moai von Ahu Akivi, mitten auf der Insel. Sie scheinen als einzige in Richtung Meer zu blicken, was aber irreführend ist, da Moai immer Richtung Häuseransammlungen blicken. Auch hier gab es einen Ort, der sich von den Moai aus gesehen Richtung Meer befand. Da sie sich sehr ähnlich sehen, nimmt man an, dass sie zur gleichen Zeit gebaut und aufgestellt wurden. Die Plattform ist nach Sternen der Frühjahrs- und Herbstequinox ausgerichtet. Die Jahreszeiten waren gerade für die Bauern auf der Osterinsel sehr wichtig.

Das eigentümlichste ist wohl, dass es selbst heute kaum Bäume auf der Insel gibt. Viel wurde darüber studiert und geschrieben und mittlerweile weiß man, dass vor Ankunft der Polynesier hier Millionen von Palmen gewachsen sind. Endemische Arten, die es heute nicht mehr gibt. Durch die Abholzung vom Menschen und den Fraß an den Samen dieser Palmen durch Ratten sind diese Palmen und auch alle anderen Bäume mit der Zeit verschwunden. Trotzdem konnten sich noch lange danach viele Menschen auf der Insel erhalten. Gut zusammengefasst kann man die Geschichte im Buch „Collapse“ vom Jared Diamond nachlesen. Wer einmal selbst die Insel besuchen will, dem sei das Buch „Ein Begleiter für die Osterinsel - A Companion to Easter Island“ von James Grant-Peterkin zu empfehlen. Kurz und mit vielen Details kann man hier alles wissenswerte über die einzelnen archäologischen Plätze der Insel erfahren.

Für uns war es dann leider an der Zeit weiter zu ziehen, da sich eine Schlechtwetterfront aus Richtung Süden näherte. Somit hieß es aus checken und sich kurzfristig im Süden vor den starken Winden zu verstecken, bevor es dann weiter Richtung Französisch Polynesien geht. Zumindest konnten wir so die Insel von all ihren Seiten betrachten und uns wundern, wie lange hier schon Menschen leben.

Nachtrag: Ende September hat die Chilenische Regierung ein 720.000 km² großes Meeresschutzgebiet rund um die Osterinsel eingerichtet. Um die endemischen Tiere im Meer zu schützen und die illegale Fischerei aufzuhalten. Ein Erfolg für den Meeresschutz!

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