Bei unserem ersten Besuch in Französisch-Polynesien im Jahr 2017 erhielten wir den Tipp, uns unbedingt die kleine Insel Makatea anzusehen. Ankern ist dort leider nicht möglich, da das Korallenriff steil abfällt. Es gibt jedoch einige Moorings (Festmacherbojen), an denen man festmachen kann – vorausgesetzt, sie sind frei. Da das Wetter stabil ist, wollen wir unser Glück versuchen und segeln von Rangiroa die 40 Seemeilen nach Süden.
Makatea gehört zu den Tuamotus, einer Kette von Atollen im Herzen von Französisch-Polynesien. Es handelt sich jedoch um ein „gehobenes Atoll“: Das gesamte Korallenriff wurde durch geologische Vorgänge um etwa 80 bis 100 Meter angehoben. So entstand eine Kalkinsel mit spektakulären Steilklippen, die zu einem Plateau aufragen. Bekannt ist die Insel vor allem für den Phosphatabbau, der dort bis in die 1960er-Jahre betrieben wurde.
Als wir ankommen, sehen wir, dass die drei vorhandenen Moorings leider belegt sind. Das ist schlecht. Tom springt ins Wasser und sucht nach einer Stelle, an der wir uns selbst eine Mooring legen könnten – leider ohne Erfolg. Von einem anderen Segler erfahren wir jedoch, dass eine Boje heute Abend frei wird. Also driften wir im Lee der Insel, bis das andere Boot schließlich ablegt.
Gerade als wir die Boje eingefangen haben, schwimmen Buckelwale hinter unserem Boot vorbei. Wir können sie im Mondlicht zwar nur erahnen, aber das Erlebnis ist trotzdem fantastisch. Was für eine Begrüßung! Als wir uns schlafen legen, hören wir sie singen. Die Walgesänge wiegen uns sanft in den Schlaf.
Am nächsten Tag schnorcheln wir am Riff. Es sieht zwar schön aus, doch wir entdecken extrem viele Dornenkronenseesterne, die eine Spur der Verwüstung auf den Korallen hinterlassen. Kein gutes Zeichen. Haie bekommen wir gar nicht zu Gesicht, und auch die Fischbestände wirken eher dezimiert. Dafür beobachten wir einige Tunfische, die im seichten, glasklaren Wasser einen kleinen Fischschwarm jagen. Während der ganzen Zeit hören wir im Hintergrund die Buckelwale singen. Oft schwimmen sie direkt am Boot vorbei – leider fast immer nachts. Es wäre schön, sie auch einmal tagsüber zu sehen!
Bei unserem ersten Landgang treffen wir Tapu, der auf der Insel lebt und Klettertouren anbietet. Vor einigen Jahren fand hier eine Klettermeisterschaft statt, für die rund hundert Routen ausgewiesen wurden; Tapu war einer der Organisatoren. Für uns Anfänger gibt es einen Klettersteig, die sogenannte Via Ferata, an der Ostseite. Mittlerweile gibt es eine zweite Via Ferata an der Westseite, die viel steiler ist mit einer Zip-Line an der Außenseite. Die ist anspruchsvoller und man sollte wirklich schwindelfrei sein, wenn man dort klettern möchte. Zum Schluss dürfen wir auch an einigen leichten Routen das freie Klettern üben, was besonders den Kindern Spaß macht. Die Aussicht von den Klettersteigen ist grandios, das Klettern selbst durchaus anspruchsvoll.
Nach der Anstrengung in der heißen Sonne zeigt uns Tapu die große Grotte. Sie ist mit glasklarem, kühlem Süßwasser gefüllt – die perfekte Abkühlung. Makatea ist eine der wenigen Inseln in Französisch-Polynesien mit eigenen Trinkwasservorkommen. Der Name der Insel leitet sich sogar davon ab: „Ma“ bedeutet klar oder pur (hier im Sinne von Trinkwasser), „Atea“ steht für das Licht des Tages. Das „K“ wurde für den besseren Klang eingefügt. Makatea bedeutet also sinngemäß: „Trinkwasser, das aus den dunklen Höhlen ans Licht gebracht wurde.“ Ein anderer Name für die Insel ist „Papa tea“, was „weißer Fels“ bedeutet. In der Grotte bewundern wir zahlreiche Stalaktiten und Stalagmiten über und unter Wasser. Da wir keine Lampen dabei haben, beschließen wir, am nächsten Tag besser ausgerüstet zurückzukehren.
Gesagt, getan. Wir bringen unsere Fahrräder an Land und radeln quer über die Insel. An der Grotte angekommen, steigen wir mit Schnorchelausrüstung, Unterwasserlampen und GoPro hinab ins kühle Nass. Es handelt sich um eine geflutete Tropfsteinhöhle, die eine Verbindung zum Meer haben muss, da der Wasserstand leicht mit den Gezeiten schwankt. Das erkennt man auch an den Schlieren (Haloklinen) im tieferen Wasser. Im Schein der Lampen schimmern die Formationen in wunderschönen Braun- und Gelbtönen.
Plötzlich ruft Keanu: „Da ist ein Fisch im Wasser!“ Zuerst denken wir an einen Molch, aber natürlich gibt es auf ozeanischen Inseln normalerweise keine Amphibien. Doch dann erkennen wir einen Aal (Anguilla obscura), der sich in der Dunkelheit sichtlich wohlfühlt. Nahrung findet er durch die vielen kleinen Garnelen genug. Im tieferen Wasser sind Seile für Flaschentaucher ausgelegt. Wir erreichen schließlich eine zweite große Grotte, deren Ausgang im dichten Inseldickicht liegt. Dort fasziniert uns ein mächtiges Wurzellabyrinth unter Wasser – die Bäume über der Grotte strecken ihre Wurzeln bis zum Süßwasser hinab. Ein besonderer Stalaktit hat die Form eines Elefantenfußes. Die Legende besagt: Wer ihn berührt und sich etwas wünscht, dessen Wunsch geht in Erfüllung. Ein atemberaubender Ort, den wir ganz für uns alleine haben.
Unsere Radtour führt uns auch zum alten Phosphatabbaugebiet. Makatea ist eine von drei Pazifikinseln mit bedeutenden Phosphatvorkommen, entstanden durch Guano (Vogelkot), der sich über Jahrtausende ablagerte. Von 1917 bis 1964 wurde hier intensiv abgebaut. Damals gab es einen großen Hafen (Temao) und den Ort Vaitepau, in dem rund 3.000 Menschen lebten. Nach dem Ende des Abbaus verließen fast alle die Insel; viele Ingenieure wurden später bei den Atomtests auf anderen Atollen eingesetzt. Heute sind der Hafen und der Ort weitestgehend Ruinen.
Die Spuren des Abbaus sind jedoch unübersehbar: Die Insel ist übersät mit Löchern, meist drei Meter breit und bis zu 25 Meter tief. Von oben sieht das aus wie Schweizer Käse – und es ist gefährlich. Wer hineinfällt, kann kaum geborgen werden, da die Wände glatt und tief sind. Eines dieser Löcher ist sogar 70 Meter tief; dort wurde früher das Trinkwasser für die Bevölkerung hochgepumpt. Überall auf der Insel rostet alte Maschinerie vor sich hin, und alte Schienenstränge werden langsam von der Natur zurückerobert.
Bei einem weiteren Besuch von Makatea machen wir eine Inselrundfahrt mit Ruben, der uns viel über die Geschichte erzählt. Man bekommt einen Eindruck davon, wie groß das Dorf einmal war – mit Schule, Bäckerei, Krankenhaus und sogar zwei Kinos. Makatea war sogar der erste Ort in ganz Französisch-Polynesien, der elektrischen Strom inklusive Straßenbeleuchtung hatte. Heute leben nur noch etwa 60 Personen hier, die hauptsächlich von Tahiti aus versorgt werden.
Dank der phosphatreichen Erde gedeihen Obst und Gemüse hervorragend. Wir haben Glück und können bei Jaqui, der im größeren Stil anbaut, frische Vorräte kaufen. Auch von Ruben bekommen wir einiges an Obst geschenkt. Neben dem sanften Tourismus leben die Einwohner vom Verkauf von Kokoskrabben. Ruben zeigt uns einige Exemplare, die in Holzkisten für den Abtransport bereitstehen. Es werden nur Männchen gefangen, um den Bestand zu schützen. Zum Abschluss der Tour genießen wir ein reichhaltiges polynesisches Buffet, bei dem wir auch Kokoskrabbe kosten. Obwohl wir sie normalerweise nicht essen, machen wir wegen der strengen Quoten eine Ausnahme. Tatsächlich schmeckt das Fleisch dezent nach Kokosnuss!
Eine weitere Besonderheit Makateas ist die Vogelwelt. Hier leben zwei seltene Arten: die endemische Makatea-Fruchttaube (Ptilinopus chalcurus) und die fast überall sonst ausgestorbene Tahiti-Imperialtaube (Ducula aurorae). Die Makatea-Fruchttaube ist klein und grün mit einer rosa Kappe. Obwohl sie häufig vorkommt, ist sie im grünen Dickicht schwer zu entdecken. Nach einem langen Suchtag finden wir sie schließlich ausgerechnet am Hafen, direkt neben unserem Dinghy! Die Imperialtaube hingegen ist fast so groß wie ein Huhn, hat einen silbergrauen Körper und dunkelblaue Flügel. Davon sehen wir besonders auf der Ostseite viele Exemplare. Es gibt hier schätzungsweise noch 1.000 bis 1.500 Tiere.
Zwischen Oktober und März kommen angeblich Grüne Schildkröten zum Nisten an den Strand. Wir können uns kaum vorstellen, wie sie das seichte Riff überwinden, aber bei hoher Tide lassen sie sich wohl über die Korallenkante schwappen. Das möchten wir im Oktober unbedingt selbst beobachten.
Nach vielen Tagen des Wartens ist es dann endlich so weit: Die Buckelwale zeigen sich bei Tageslicht direkt am Ankerplatz. Sofort springen wir aufgeregt ins Wasser. Zuerst sehen wir sie nur schemenhaft, doch unsere Geduld wird belohnt. Plötzlich taucht die Walkuh und ihr Junges direkt unter uns auf, um an der Oberfläche Luft zu holen. Den Bullen, der uns mit seinen Gesängen beschenkt, bekommen wir nur aus weiter Ferne zu Gesicht. Die Walkuh und ihr Kalb bleiben fast zwei Tage lang direkt neben unserem Boot. Das Wasser ist glasklar, und wir beobachten, wie sie kuscheln und zum Atmen auftauchen.
Anfangs ist die Mutter vorsichtig, doch bald merkt sie, dass wir keine Gefahr darstellen, und lässt das Kalb sogar alleine an die Oberfläche schwimmen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, diesen Giganten so nah zu sein; man fühlt sich plötzlich ganz klein. Das Junge ist so neugierig, dass es direkt auf Sonja zuschwimmt und sie fast aus dem Wasser hebt – man merkt, dass es seinen massigen Körper noch nicht ganz so geschickt kontrollieren kann wie die Erwachsenen. Da sie direkt neben dem Boot sind, vibriert unser gesamter Körper bei jedem Ton ihres Gesangs. Ein Moment, den wir so schnell nicht vergessen werden!
Ein anderes Mal treffen wir auf eine Walkuh, ihr Junges und einen weiteren jungen Buckelwal, die eng zusammen schwimmen. Vielleicht ist der junge Buckelwal ein Kalb aus dem Vorjahr? Einige Zeit rasten die Muttertier und ihr Junges um zu stillen, während der junge Buckelwal aufgeregt um sie herum schwimmt. Wieder Mal ein tolles Erlebnis hier in Makatea.
Die Insel hat uns so verzaubert, dass wir immer wieder zurückkehren, um noch mehr von der Insel genießen zu können. Auch wenn wir bald Richtung Westen weiter segeln, hoffen wir doch irgendwann wieder auf Besuch zu diesem speziellen und wunderbaren Platz zu kommen.










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